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Mainova Ironman Frankfurt European Championship 2017

Zürcher Jörg 12.07.2017

Gut trainiert, motiviert und bestens gelaunt sind wir (Thomas, Tom, Jörg) am Freitag 7.7. gegen Mittag im Intercontinental Frankfurt, unserem Hotel für die nächsten 3 Tage angekommen, zusammen mit Beate und Ruth, unserem Fanclub. Für die Einen galt es noch kurz auf eine Laufrunde zu gehen, für mich als Erstes mit der Registrierung alle Unterlagen und Infos zu erhalten. Nach einem kurzweiligen Briefing am Nachmittag wussten wir über fast alles Bescheid, ausser ob das Schwimmen mit oder ohne Neo sein wird am Sonntag. Die aktuelle Temperatur im Langener Waldsee lag bereits bei 23.5 Grad.

Am Freitagabend war neben der Eissporthalle die grosse Pasta Party angesagt, welche wirklich köstlich und sehr gut organisiert war, was ja auch nicht immer selbstverständlich ist. Einige Cracks wurden noch interviewt und vorgestellt.

Schon bald ging es in die Federn, um nochmals die Batterien mit genügend Schlaf aufzuladen.

Der Samstag war gespickt mit einer kurzen Laufeinheit bei mir, um die Beine für den morgigen Tag aufzuwecken und die beiden Thomas waren noch kurz auf dem Rad.

Im Laufe des Sa-Nachmittag ging es per Bus vom Römer zum Langener Waldsee zum Bike Check in.

Das übliche Vorbereiten am Rad, bzw. die Abgabe der vorbereiteten Wechselbeutel für Rad und Laufen und anschliessend den Chip für die Zeitmessung in Empfang nehmen stand an.

Nun galt es vor Ort noch die Schwimmstrecke genau unter die Lupe zu nehmen um am Sonntag nicht im Getümmel von 3000 Athleten in Stress zu kommen. Und nun, wenn wir schon da sind, drehen wir noch eine kurze Runde im See und geniessen die Erfrischung. Die grosse Frage bleibt, mit Neo oder ohne, denn das Wasser hat bereits 24 Grad. Nach einem letzten Einprägen des Startbereichs und der Übergänge nach dem Ausstieg gehen wir zurück zum Hotel, bzw zu einer feinen Pizzeria für das letzte Carboloading.

Sonntag 04:00 Uhr: bei mir läutet der Wecker, bei Tom wo möglich noch früher. Der längste Tag des Jahres beginnt. Nach einem kurzen leichten Frühstück geht`s um 05:00 Uhr auf den Bus nah beim Hotel, welcher uns direkt zum Schwimmstart bringt. Die Frauen dürfen noch etwas liegen bleiben und werden später direkt zur Radstrecke kommen.

In der Wechselzone angekommen, erfahren wir, dass der Neo für die AK`s erlaubt ist, was viele natürlich freut. Nun wird das Rad nochmal kontrolliert, gepumpt auf ???- Bar Druck, die Gels positioniert und die die Getränke vorbereitet. Ein letzter Toilettengang und dann zwängt man sich in die schwarze 2. Haut. Für's Einschwimmen und Einlaufen bleibt eigentlich gar keine Zeit mehr bei mir und so müssen es einige Dehn- und Lockerungsübungen auch tun. Schon geht es ans korrekte Anstehen bei der entsprechenden Wartezone für den rollenden Start. Meine Schwimmzeit schätzte ich knapp unter 60 min und so stand ich im ersten Block ein. Meine Wiler Kumpels standen bereit im 2. Block und mussten noch etwas auf ihren Start warten.

Um 06:30 Uhr wurden zuerst das Herren Profifeld und anschliessend die Damen auf die Strecke geschickt. Für mich hiess es gegen 06:45 go. Immer 5 Athleten wurden gleichzeitig direkt am Strand ins Wasser geschickt und das alle 5 Sekunden. So konnte die grossen Rangeleien und Schlägereien verhindert werden und das Feld zieht sich auch noch besser in die Länge, was dem Windschattenfahren anschliessend auf dem Rad auch nochmal entgegenwirken sollte.

Schnell konnte ich einen schönen und angenehmen Rhythmus finden und mich auf die nächsten Bojen konzentrieren. Nach ca. 600 m kam der erste Richtungswechsel nach links und nach weiteren 50 m der Nächste, so dass wir dann wieder parallel zur ersten Bahn zurück zum Strand schwammen.

Dann gab es für mich eine Schrecksekunde, weil ein Athlet von der Strecke der Gegenseite abkam und so direkt auf mich zu schwamm und beinahe einen Crash verursachte. Der Rest verlief unspektakulär, auch der kurze Landgang war kein Problem, ausser vielleicht das Schwimmen gegen die aufgehende Sonne (ich sehe fast nichts und hoffe die vor mir sehen mehr). Endlich der Ausstieg vor Augen, wird ja auch endlich Zeit. Zeit, ach ja, bei mir stand die Uhr bei 55 min., was mich sehr gefreut hat. Dann galt es wenig Zeit mit dem Wechsel zu vergeuden und schnell auf das Rad zu kommen.

Auf nach Frankfurt auf der Autobahn, da war man doch schnell geneigt etwas zu viel Gas zu geben. Aber der Puls- und der Wattmesser mahnen einem dazu sich an die Vorgaben zu halten. Also dann doch ein weniger ruhiger, es sind ja noch 177 km. Nach etwa 13 km führte uns der Radstrecke erstmals durch die Innenstadt von Frankfurt. Hier wurde ich jubelnd von Beate und Ruth empfangen, welche mit Schweizerfahne bewaffnet, lautstark zuriefen. Die Strecke führte nun durch einige kleine Dörfer und einer sehr unangenehmen Passage auf Kopfsteinpflaster Richtung Friedberg. Einig kurze Anstiege waren zu bewältigen, aber alles im grünen Bereich. Dann bei km 83 stand der Anstieg in Bad Vilbel an. Der Hardbreak Hill war gesäumt von vielen Zuschauern, welche bis weit in die Strasse hinein standen, um so etwas Tour de France Stimmung zu vermitteln. War cool, aber natürlich nicht vergleichbar mit dem Solarer Berg in Roth.

Nun war es nicht mehr allzu weit bis Frankfurt und die erste Runde war geschafft. Bis jetzt alles ok? Fast, denn die Holperstrecke bei „The Hill“ forderte bei mir das Material etwas zu stark und es verabschiedete sich ein Bidonhalter. Nun ein Halter wäre ja zu verkraften, aber mein zweiter überlebte das Kopfsteinpflaster auch nicht schadlos und so habe ich im dümmsten Moment (Trinksystem vorne leer) den vollen Bidon kurz nach der Verpflegung verloren und musste so etwa 15km ohne Wasser fahren. Den grössten Durst konnte ich dann zwar anschliessend löschen, aber nun war ich auch schon fast in der Wechselzone und bei der letzten rasanten Abfahrt durch die Innenstadt, war nicht mehr gross an trinken zu denken.

Der Wechsel zum Laufen war problemlos und schon befand man sich auf den ersten Kilometer. Erstaunlich locker fühlte es sich an und kleine Glücksgefühle stellten sich ein. Dann bei km 17 war wieder Zeit für ein weiteres Gel, welches ich mir bei der Verpflegungsstelle zu mir nahm. Aber hier sagte mein Magen wieder einmal tschüss und gab alles von sich. Leider war es für mich auf einen Schlag vorbei und konnte weder die nötige Menge an flüssiger oder fester Nahrung zu mir nehmen.

Der Magen und der Hammermann haben sich wieder einmal gegen mich verschworen und so war nur noch der Kriechgang (meist Gehen) angesagt. Da würde zwar auch kein gutes Zureden mehr was nützen, aber wenigstens eine paar tröstende Worte von unseren Fans wären da schön gewesen. Irgendwie haben sie mich immer verpasst und wussten nicht einmal, ob ich überhaupt auf der Laufstrecke war. Zudem haben wir uns Trifler unterwegs auch nie gesehen. Dann zur letzten Runde konnten sie mich entdecken und es war endlich klar, wo sich jeder auf der Laufstrecke befand. Thomas Roost hat es scheinbar noch schlimmer erwischt, er war gleich Dauergast auf dem Toi Toi und war nur noch am Gehen. Er wollte das Rennen einfach irgendwie beenden und so blieb mir nichts anders übrig, als ich auf ihn traf, ihm gutes Durchbeissen zu wünschen und selber die letzten Kilometer leicht trabend unter die Sohle zu nehmen.

Endlich, rechts abbiegen auf den roten Teppich zum Stadion am Römer. Sich nochmals zusammenreissen und wenigstens die letzten Meter joggend durch den Zielbogen, dass muss dann schon sein. Die Zuschauermenge und den tosenden Applaus geniessen und denken: das ganze hätte eine Stunde früher sein sollen.

Endlich, die Anspannung fällt ab und so gleich kriegt man etwas weiche Knie. Oder war es nur weil die umgehängte Medaille so riesig war (10cm Durchmesser und fast 500gr schwer) Und jetzt sollte man etwas Essen oder zumindest genügend trinken, was mir aber in der ersten ½ Stunde nicht möglich war. Dann aber eine kalte Cola und etwas Früchte und ab unter die Dusche. Nun kehren die Lebensgeister langsam wieder zurück. Ein hartes Stück Arbeit am „längsten Tag des Jahres“ und doch glücklich gefinisht zu haben. Nun warten wir noch auf Thomas der es auch noch geschafft hat nach seiner langen Wanderung. Anschliessend holten wir noch das Rad und gingen zurück ins Hotel zur kurzen Regeneration, den wir wollten noch zum Zielschluss gegen 22:00 Uhr die letzten Finisher mit tosendem Applaus auf ihren letzten Meter anfeuern und begrüssen. Eine wirklich tolle Stimmung bis zum Lichterlöschen. Und das galt für uns nach einem letzten Schlummi auch.

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Jörg