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TRI-Frauenfeld in Frankfurt - vom Winde verweht

Stabernack Peter 30.10.2017

Hans hatte vor ein paar Wochen die Ansage gemacht, einmal einen richtigen schnellen Marathon zu machen und unter 2:50 zu laufen.

Na und solch eine Aussage hat ein gewaltiges Gewicht. Relativ schnell war klar, dass es Frankfurt am Main werden sollte. Frankfurt ist der drittschnellste Europäische Marathon, flach und viel Publikum das dich durch die harten Zeiten trägt.

Und ich konnte es mir nicht verkneifen, Hans zu begleiten und bei der Gelegenheit mein Knie zu testen, ob es trotz Arthrose 4.Grades noch einen Marathon durchhält.

Am Samstag sind wir dann also von Friedrichshafen nach Frankfurt geflogen und haben unser Hotel direkt am Start bezogen. Dann ging es die Startunterlagen holen und die Energiespeicher auffüllen.

Der Wetterbericht der unter der Woche noch die neue Sintflut ankündigte wurde immer besser, das einzige was sich nicht änderte war die Sturmwarnung.

Nach einer überraschend guten Nacht für uns beide erwartete und der Morgen mit perfekten Bedingungen. Nur der Wind war richtig heftig, in Böen gar in Sturmstärke. Aber damit mussten alle zurecht kommen.

Hans durfte sich dank seiner Zielvorgabe neben Arne Gabrius aufstellen, die Ethiopier und Kenianer umringten die beiden.

Um zehn Uhr ging es los. Ok, ich stand so weit hinten bei den rund 25000 Startern, dass ich die Startlinie erst nach 4 Minuten überquerte.

Von Anfang an konnte ich genau meine Zielvorgabe von einer 5:00 pace halten, ich fühlte mich sehr gut und lief entspannt in der Traube um den 3:29 Ballon mit. Bis bei der Verpflegungsstelle bei km 25 etwa ein Läufer von hinten mir ein Bein stellte, eigentlich nichts schlimmes nur verdrehte ich mir mein kaputtes Knie mal wieder so dumm, dass die Knochenhaut gereizt wurde - naja ab da ging das Leiden los.

Aber mit den Bildern des leidenden Frodo auf Hawaii sagte ich mir immer wieder DNF ist keine Option.

Etwas Eisspray bei km 30 half ein wenig nur lies der Effekt leider viel zu schnell nach. 

Egal, ich kämpfte mich durch und kam nach 3:49 dann auch endlich im Ziel an, Tränen in den Augen, zu einem Drittel vom Schmerz, zu einem Drittel vor Erleichterung dass es vorbei ist und zu einem Drittel vor Glück, dass das Knie mich doch die 42,195 km brav ins Ziel getragen hat.

Bei der Chipabgabe traf ich dann auch Hans - und sorry, Hans aber du sahst erschreckend Scheisse aus - grau und alt. Ich dachte schon, dass er das Ziel verfehlt hätte. Aber nein, er hatte es in 2:49:31 gemacht. Nur hat ihn diese Leistung bei den harten Bedingungen völlig gefordert- also ich bin Zeuge, dass da nicht viel Reserven übrig waren. Wir lagen uns glücklich und kaputt eine gefühlte Ewigkeit in den Armen. Evtl. auch einfach weil wir so fertig waren, dass wir ohne Stütze umgefallen wären.

Nach einer heissen unendlich langen Dusche gab es Cola, alkoholfreies Bier bis auch Hans wieder Farbe annahm und beginnen konnte sich richtig zu freuen. Am Tresen ein paar Stunden später sprach er sogar schon wieder von der Möglichkeit es nochmal zu tun um zu sehen, ob es noch schneller geht. auf dem Whatsapp Chat erwarteten und 65 Nachrichten unserer Fans zu Hause, so viele Mitglieder haben mit uns gelitten und mitgefiebert, toll solche Freunde zu haben. Jetzt weiss ich auch, woher die Kraft am Ende kam, das noch nach Hause zu bringen.

In der Summe ein richtig cooles Wochenende mit zwei zufriedenen Athleten und einem davon mit einer neuen verdammt schnellen PB von unglaublichen 2 Stunden 49 Minuten und 31 Sekunden - das ist eine pace von 4:01 oder 14,9 km/h.